Das Chemieunternehmen Venator mit Standorten in Duisburg und Krefeld hat Insolvenz angemeldet und bringt damit rund 700 Arbeitsplätze in Gefahr.
Eine im vergangenen Jahr eingeleitete Restrukturierung konnte die finanzielle Lage nicht stabilisieren. Bereits damals wurden etwa 290 Stellen gestrichen und die Titandioxid-Produktion eingestellt. Nun droht den Beschäftigten erneut der Verlust weiterer Arbeitsplätze.
Venator, 1878 gegründet, zählt weltweit zu den führenden Herstellern von Pigmenten und Additiven und ist international aktiv.
Die Werke in Duisburg und Krefeld-Uerdingen (Nordrhein-Westfalen) liefern Produkte für Farben, Lacke, Kosmetik und Kunststoffe.
Gründe für die Insolvenz
Hauptursache für die wirtschaftliche Krise sind die seit dem Krieg in der Ukraine stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise, die energieintensive Prozesse wie die Herstellung von Titandioxid und Additiven besonders belasten.
Sinkende Absätze nach der Verlagerung der Titandioxid-Produktion nach Uerdingen drückten die Auslastung im Additiv-Bereich im laufenden Geschäftsjahr auf etwa 77 Prozent.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von konzerninterner Finanzierung. Anfang September teilte die Muttergesellschaft mit, keine weiteren Mittel mehr für die deutschen Tochterfirmen bereitzustellen – zeitgleich liefen bereits Insolvenzverfahren gegen mehrere Venator-Gesellschaften in Großbritannien.
Sanierungs- und Zukunftspläne
Insolvenzverwalterin Sarah Wolf, zuständig für den Standort Duisburg, betonte, die Produktion laufe weiter und die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Ziel sei es, eine tragfähige Lösung zu finden und das Unternehmen wieder in die Spur zu bringen.
Betriebsratsvorsitzender Uwe Sova appellierte an die Belegschaft, motiviert und konzentriert zu bleiben, um den Standort für mögliche Investoren attraktiv zu halten.
Im Rahmen des Verfahrens läuft nun eine strukturierte Prüfung der Sanierungsfähigkeit. Gespräche mit Kunden, Lieferanten, Banken und Arbeitnehmervertreter*innen sollen zeitnah starten, um eine stabile Perspektive für Venator zu schaffen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, ob das Unternehmen seine Tradition bewahren und die Arbeitsplätze in Duisburg und Krefeld sichern kann.
Die Lage zeigt zugleich die breiteren Herausforderungen der Chemiebranche, in der traditionelle Industrien sich einem rasant wandelnden Weltmarkt anpassen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
